Nachhaltigkeit an der UTS – Nr. 1


Lesedauer: 10 Minuten

Green Tour 24.07.2019

Vor genau einer Woche sind wir voller Erwartungen, jeder Menge Vorfreude und einer ordentlichen Portion Ungewissheit in Sydney aus dem Flieger gestiegen. Wir stellten uns viele Fragen: „Wo werden wir wohnen?“, „Ist unser Englisch für zielführende Kommunikation gut genug?“, „Werden wir uns an der Uni zurechtfinden“? oder „Wie schnell knüpfen wir neue Kontakte?“.

Von vielen unserer Bedenken konnten wir uns bereits nach kurzer Zeit loslösen. Die Menschen die uns bisher begegnet sind, könnten kaum zuvorkommender und netter sein. Wir konnten eine tolle Wohnung finden und auch die Uni übertrifft unsere gesamten Vorstellungen. Vor allem unsere grüne Seele ist beeindruckt von den Nachhaltigkeitsansätzen der Stadt und unserer Universität. Eine sogenannte „Green Tour“ über den Campus gab uns Einblicke in das detaillierte Nachhaltigkeitskonzept der UTS und wir sind so begeistert, dass wir Euch in diesem Blogbeitrag davon berichten.

Die Gebäude auf dem Campus könnten architektonisch kaum unterschiedlicher sein. Jedes hat einen eigenen Charakter und verbindet Funktionalität mit raffiniertem Design. Besonders gut gefällt uns z.B. die Fassade des Ingenieur- und IT-Gebäudes (Gebäude 11), welche auf den ersten Blick wie ein metallisches Lochmuster wirkt, das Gebäude vor Sonnenstrahlen schützt und dennoch Tageslicht hinein lässt. Schaut man genauer hin, kann man eine Struktur aus 1en und 0en erkennen: ein Binärcode der übersetzt bedeutet „Faculty of Engineering and IT“. Dies ist nur ein Beispiel für die kreative und interdisziplinäre Verknüpfung von Kunst, Funktion und fakultätsspezifischen Elementen.

Die Innenausstattung des Gebäudes wirkt modern und besteht hauptsächlich aus Beton und gerostetem und anschließend versiegeltem Metall. Beides pflegeleichte Werkstoffe mit langer Haltbarkeit, sodass eine Renovierung über planmäßig mindestens 50 Jahre nicht notwendig ist. Natürliches Tageslicht kann durch ein Glasdach über alle Etagen bis ins Erdgeschoss gelangen. Das zusätzliche Lichtsystem besteht ausschließlich aus LEDs, welche Helligkeit automatisch abhängig vom Maß des gegebenen Sonnenlichts reguliert. Zudem schaltet es sich aus, sobald keine Person mehr in einem Raum ist. Auch die Rolltreppen verlangsamen ihre Geschwindigkeit im Energiesparmodus, wenn sie nicht genutzt werden. Ein Infrarotscanner zählt die Menschen, welche das Gebäude 11 betreten und stellt abhängig davon die Temperatur der Klimaanlage ein.

Auf dem Dach befinden sich Photovoltaikanlagen, eine Brennstoffzelle sowie eine Windkraftanlage zur Energiegewinnung. Solarkollektoren werden durch die direkte Sonneneinstrahlung auf dem Dach erwärmt bis das Wasser kondensiert. Der entstandene Dampf wird zur Energiegewinnung genutzt. Im Folgenden wird das erwärmte Wasser zum Hände waschen und später für die Toilettenspülung verwendet. Der zusätzliche erzeugte Strom wird unter anderem zur Beleuchtung des UTS Zeichens an der Außenfassade am Abend verwendet.

Energieversorgung in Gebäude 11 – Copyright UTS

Ein weiterer Ansatz ist die Phosphorgewinnung für Düngemittel aus menschlichem Urin. Die Erkenntnis der UTS, dass Urin ein wertvoller Rohstoff sein kann, wurde so verarbeitet, dass die männlichen Urinale komplett ohne Wasser funktionieren und der Urin aufgefangen werden kann. Dies wird zwar zurzeit noch nicht aktiv verwendet, kann aber jederzeit ohne einen umständlichen Umbau in Betrieb genommen werden.

Gebäude 11 entspricht mit einer 5 (von 6) Sterne Bewertung dem „Green Star“ Standard. Jeder Neubau der UTS muss mindestens eine 5 von 6 „Green Star Certification“ erhalten und somit ein hohes Maß an Nachhaltigkeit aufweisen. Diese Certification wird vom Green Building Council Australia, einer Non-Profit-Organisation in Australien, vergeben.

Gebäude 7 erreicht mit 6 von 6 möglichen Sternen die höchste mögliche Bewertung. Eine kreative Konstruktion aus abgeschrägten weißen Wänden und hellem Mosaik reflektiert das Licht so, dass selbst drei Etagen unter der Erde Tageslicht die Räume und Gänge erhellt, eine arbeitsfreundliche Atmosphäre schafft und die benötigte Energiemenge drastisch reduziert.

Das integrierte MasterLab ermöglicht 220 Studenten wissenschaftliches Arbeiten in einem modern ausgestatteten Labor. Für eine maximale Auslastung können diverse Kurse parallel stattfinden und somit Energie und Raumkapazität gespart werden. Hierbei hören die Studenten über Kopfhörer die jeweiligen Anweisungen zu ihrem Kurs und sitzen zum Teil direkt neben Personen aus einem anderen Kurs.

MasterLab in Gebäude 7

Auch die begrünten Terrassen sind ein optisches Highlight. Der Bodenbelag besitzt keine Fugen, sodass das Wasser hinein sickern kann. Anschließend wird das Wasser aufgefangen und z.B. für Toilettenspülungen genutzt. Solche Stoffkreisläufe sind effizient, nachhaltig und finden sich in diversen Gebäuden wieder.

Ein weiteres Detail sind die wunderschön gestalteten Rundtreppen, die dazu anregen sollen die Treppe anstatt des Fahrstuhls zu wählen.

Insgesamt ist der Campus an verschiedensten Ecken am Boden und auf Dächern vielseitig begrünt, um Lebensraum für Insekten und Vögel zu bieten. In jedem Gebäude befinden sich diverse Wasserspender, sodass man seine Trinkflasche auffüllen kann und keine Plastikflasche kaufen muss. Und auch obwohl in Sydney kaum ein Trennen und Recyceln von Müll stattfindet, hat sich die UTS für große Recyclingtonnen in jedem Gebäude entschieden. Interessant hierbei ist, dass aller Müll in eine einzige Tonne geworfen wird und dann nachträglich maschinell getrennt wird. Dies ermöglicht eine sehr gute Recyclingrate von ca. 80 Prozent des in der Universität produzierten Mülls (nach eigenen Angaben; hier klicken um zur Quelle zu gelangen). Im Vergleich dazu schmückt sich Deutschland mit einer Quote von 66%, die in einem Beitrag der FAZ von 2018: FAZ Artikel zum Thema Recycling in Deutschland auch als Augenwischerei bezeichnet wird, denn in dieser Quote ist auch falsch entsorgter Müll enthalten. Dieser wird anschließend ohne Recycling aussortiert, was die eigentliche Recyclingquote mindert.

Zudem wird das umweltfreundliche Transportmittel Fahrrad gefördert, indem große Fahrradkeller für sicheres Parken zur Verfügung gestellt werden. Alle Studenten und Mitarbeiter können zudem kostenfrei direkt anliegende Zimmer nutzen, um in Schließfächern Fahrradequipment/Klamotten/… zu verstauen, sich umzuziehen, zu duschen, usw. Auch nach einem längerem Fahrradtrip muss niemand verschwitzt, mit zerdrückter Frisur in der Uni sitzen oder den ganzen Tag den Fahrradhelm herumtragen.

Auch eine Kooperation mit der Central Mall – einem gegenüberliegenden Gebäude der Uni – verfolgt ein nachhaltiges Ressourcennutzungkonzept. Da dieses Gebäude in den Abend- und Nachtstunden und die UTS nur tagsüber sehr viel Energie benötigt, werden durch Energie- und Warmwasseraustausch die Ressourcen geschont und somit sehr effizient genutzt. Dieses Gebäude ist als eines der prestigeträchtigsten und umweltfreundlichsten Gebäude Sydneys bekannt, weshalb wir darüber in einem separaten Beitrag noch ausführlicher berichten möchten.

Die begrünte Fassade der Central Mall

Wir können kaum in Worte fassen wie erstaunt, beeindruckt und begeistert wir von dem detaillierten und sinnvoll umgesetzten Nachhaltigkeitskonzept der UTS sind. Wir sind sehr dankbar an dieser Universität studieren zu dürfen und freuen uns auf eine erlebnisreiche, grüne Zeit in den nächsten Monaten.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anne sagt:

    Wow, euer Artikel hat mich echt beeindruckt! Da kann sich Deutschland eine riiiiiesige Scheibe abschneiden, wenn wirklich alles so gut funktioniert sie geschildert. Das ist gelebte Nachhaltigkeit 😊

    Gefällt 1 Person

    1. Genau das ist auch unser Eindruck! 🙂 Es wurden neue Ansätze entwickelt und direkt in die Baupläne von neuen Gebäuden integriert. So können die Ideen direkt auf Praxistauglichkeit getestet werden und das Wissen, wird wiederrum direkt für die nächsten Baupläne verwendet. Wir können hierbei jede Menge voneinander lernen. 🙂

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