Von grünen Knöpfen: Führung durch den Dschungel der Textilsiegel


Lesedauer: 15 Minuten

Geht man mit offenen Augen durch die Geschäfte, dann kann man an einigen Produkten diverse Siegel finden, die dem Kleidungsstück ökologische und/oder soziale Kriterien bescheinigen und uns bei einer nachhaltigen Kaufentscheidung unterstützen sollen. Dabei befindet sich nicht immer hinter jedem Siegel auch ein nachhaltiges Produkt. Dieser Artikel soll zugleich ein Wegweiser für den textilen Bereich sein, einen Überblick zu dem Siegelchaos geben und darüber hinaus die neue staatliche Zertifizierung „Grüner Knopf“ vorstellen.

Was wünschen wir uns persönlich für die Textilbranche? (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Wir wollen, dass soziale und ökologische Betrachtungen als Basisanforderung in der Textilbranche immer einbezogen werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass:
– die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, von ihrem Lohn leben können
– Kinder- und Zwangsarbeit verboten sind
– zumutbare Arbeitszeiten für alle gewährleistet werden
– grundlegender Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit am Arbeitsplatz vorliegt
– umweltschädliche, gesundheitsschädliche und anderweitig gefährliche Chemikalien nicht eingesetzt werden
– Abwasser gereinigt und nicht unbehandelt in Flüsse eingeleitet werden
– von fertigen Kleidungsstücken keine Gesundheitsgefahr durch Chemikalienrückstände ausgeht

All diese Aspekte sind in der Textilindustrie noch kein gegenwärtiger Alltag
. Es geht nicht darum das eine ‚perfekte‘ und nachhaltige Kleidungsstück zu finden (wenn es dieses überhaupt geben kann), sondern vielmehr darum solche grundlegenden Selbstverständlichkeiten als den allgemeinen Standard zu setzen. Dafür braucht es verantwortungsvolle & bewusste Kaufentscheidungen von jedem von uns mit Wertschätzung für Menschen und Materialien, welche uns tagtäglich den Kauf von Textilien überhaupt ermöglichen!

Bild © BMZ

Der „Grüne Knopf“ ist ein staatliches Siegel, welches soziale und ökologische Standards in der Textilindustrie überprüft und kennzeichnet. Da die textile Wertschöpfungskette – also alle Stufen, die ein textiles Produkt im Laufe seines Lebens durchläuft – sehr vielseitig und unübersichtlich ist, haben wir in folgender Grafik einmal die wichtigsten Stufen zusammengestellt:

In jeder einzelnen Stufe dieser Kette werden eine Vielzahl an nachhaltigen oder auch nicht-nachhaltigen Entscheidungen getroffen. Erst durch deren Summe wird determiniert, ob das Endprodukt die Einstufung eines ökologisch- und/oder sozialverträglich produzierten und transportierten Textils wahrhaftig verdient.

Wir haben in der Grafik Pfeile vom End-of-Life zu allen vorherigen Prozessschritten gezeichnet. Dies ist eine Empfehlung, doch zur Zeit noch nicht immer Realität. Die Pfeile schließen die lineare Kette (die normalerweise mit einem Abfallprodukt endet) zu einem Kreis. Dies kann durch Wiederverwenden, Reparieren, Recyceln und Upcyceln/Downcyceln erfolgen. Denken in Kreisläufen ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Welt und angelehnt an den funktionellen Aufbau unserer natürlichen Umwelt.

Im Dschungel der vielen Textilsiegel, bei welchem jedes einen eignen Fokus setzt, kann man als Verbraucher schon mal den Überblick verlieren. Der „Grüne Knopf“ will hier ansetzen und möglichst umfangreich Produkte kennzeichnen, welche ökologische und soziale Mindestanforderungen erfüllen. Aktuell befindet sich das Programm noch bis 2021 in einer sogenannten Einführungsphase. Diese Phase deckt noch nicht die gesamte Wertschöpfungskette ab. In diesem Zeitraum werden nur die Konfektionierung (Zuschneiden und Nähen) sowie der sog. Nassprozess (Bleichen und Färben) innerhalb des Prozessstufe ‚Herstellung‘ in die Entscheidung einbezogen. Das ist eine erhebliche Einschränkung! (Mehr dazu später bei der kritischen Betrachtung des Siegels)

Im Zuge des Zertifizierungsprozesses werden 46 Kriterien betrachtet, wobei sich 26 auf das konkrete Produkt und 20 auf das zu prüfende Unternehmen fokussieren. Die Unternehmenskriterien beziehen sich dabei auf die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte, sowie auf die Empfehlungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für den Textilsektor. Um auf der Produktseite die Kriterien zu erfüllen, muss ein ausgewähltes ökologisch-soziales Siegel (GOTS, Fairtrade Textile Production, Naturtextil IVN oder Oeko-Tex made in Green) oder eine Kombination aus einem ökologischen (Cradle-to-Cradle Textilien oder Blue Design Product) und einem sozialen Siegel (SA8000 oder Fair Wear Foundation) vorweisbar sein. Diese Siegel (gleichzeitig auch die 8 bekanntesten unabhängigen Textilsiegel) stellen wir jetzt in aller Kürze vor.

Mit einem <Klick> auf den Titel des jeweilige Siegels könnt Ihr mehr darüber erfahren (Dank unserer neu erworbenen HTML-Programmierungsfähigkeiten :D)

Siegel mit ökologischen und sozialen Kriterien

Global Organic Textile Standard (GOTS) (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Mit dem GOTS Siegel soll ein weltweit einheitlicher Standard mit ökologischen und sozialen Kriterien aufgebaut werden und dabei die gesamte Produktionskette abdecken. Ins Leben gerufen wurde dieses Siegel von der gemeinnützigen GmbH Global Standard, welche aus verschiedenen Organisationen besteht, die sich für eine verantwortungsvolle Textilindustrie einsetzen. Die zertifizierten Textilien müssen aus mindestens 70% Naturmaterialien bestehen und können bis zu 30% Recyclingfasern (auch synthetischer Herstellung) enthalten. Ab einem Anteil von 95% biologischer Inhaltsstoffe wird die zusätzliche Kennzeichnung „organic“ (biologisch) vergeben. Insbesondere die ökologischen Anforderungen sind hoch und schließen eine Verwendung von normalerweise üblichen gesundheitsschädlichen, umweltschädlichen oder anderweitig gefährlichen Chemiekalien aus. Es müssen auch soziale Mindestanforderungen erfüllt werden (z.B. keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, Gewährleistung Arbeitsschutz, Begrenzung der Arbeitszeit). Insgesamt liegt der Fokus vermehrt auf den ökologischen Kriterien. Eine positive Besonderheit des Siegels ist, dass ein besonders großer Aneil der textilen Wertschöpfungskette betrachtet wird (Rohstoffproduktion, Herstellung, Transport/Handel und Nutzungsphase).
 
Fairtrade Textile Production (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Das Fairtradesiegel – herausgegeben vom Fairtrade Labelling Organizations International e.V. – ist bereits für andere Produkte (z.B. Kaffee und Schokolade) bekannt. Es ist jedoch auch in der „textilen Ausführung“ etabliert. Es setzt sich in der Textilindustrie für bessere Arbeitsbedingungen ein und erfüllt damit insbesondere soziale Standards. Ökologische Kriterien (wie das Verbot von kritischen Chemikalien) werden ebenfalls geprüft. Hierbei fehlen allerdings wichtige Aspekte: – zum Beispiel – Grenzwerte für bestimmte Abwasserparameter oder die Prüfung des Endproduktes auf Chemikalienrückstände. Betrachtet werden die Prozessschritte Rohstoffproduktion und Herstellung. Positiv hervorzuheben sind zudem die umfangreichen Informationen auf dem Etikett des Endproduktes (z.B. ob existenzsichernde Löhne gezahlt wurden), sodass sich der Käufer ein eigenes Bild der Bedingungen machen kann.
 
Naturtextil IVN (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Dieses Siegel wird herausgegeben vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. (IVN) und zertifiziert Produkte aus Naturfasern. Synthesefasern sind bei der Produktion, die aufgrund des Einsatzes enormer Energiemengen sowie nicht-erneuerbarer Rohstoffe, vollständig ausgeschlossen. Ein weiterer Vorteil von Naturtextilien ist deren vollständig biologische Abbaubarkeit. Innerhalb der Prozessschritte Rohstoffproduktion, Herstellung und Nutzungsphase werden sowohl ökologische als auch soziale Kriterien umfangreich überprüft. Im ökologischen Bereich ist Naturtextil IVN sogar das aktuell strengste Siegel am Markt.
 
Oeko-Tex made in Green (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Die Internationale Oeko-Tex Gemeinschaft ist insbesondere durch das Siegel Oeko-Tex Standard 100 bekannt. Dieses zählt zu den bekanntesten Textilsiegeln und garantiert den Kauf eines schadstofffreien und gesundheitlich unbedenklichen Endproduktes. Hierbei werden soziale oder ökologische Aspekte des Herstellungsprozesses nicht wirklich berücksichtigt. Mit dem umfangreicheren Siegel Oeko-Tex ‚made in Green‘ werden zusätzlich auch ökologische und soziale Faktoren innerhalb der Herstellungsphase und der Nutzungsphase betrachtet. Für dieses erweiterte Siegel gelten die Regulierungen „Sustainable Textile Production“ (STeP) inklusive eines umfangreichen Ausschlusses von gefährdenden Chemikalien.
 

Siegel mit ökologischen Kriterien

Cradle-to-Cradle Textilien (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Bei diesem Siegel steht der Cradle-to-Cradle („Von der Wiege bis zur Wiege“) Gedanke im Vordergrund. Dahinter verbirgt sich die Kreislauffähigkeit von Produkten,die das Ziel haben keinerlei bleibende Abfälle zu erzeugen. Normalerweise funktioniert unsere Wirtschaft nach dem linearen Prinzip Cradle-to-Grave („Von der Wiege bis zum Grab“), also kurz gesagt: Produzieren, Nutzen und Entsorgen. In dem gewünschten Kreislaufkontext ist ein Produkt, welches biologisch abbaubar oder gut recyclebar ist besser, da sich so die lineare Kette zu einem abfallfreien Kreislauf schließen lässt. Bei dem Siegel werden die Kategorien: Materialgesundheit, Wiederverwendung, erneuerbare Energien, soziale Fairness und Wasser, innerhalb der Prozessstufen Rohstoffproduktion und Herstellung betrachtet. Unterschieden werden die Siegelversionen: Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin. Platin zertifizierte Produkte müssen die strengsten Auflagen erfüllen. Während bei den Umweltfaktoren die wichtigsten Mindestanforderungen abgedeckt sind, werden soziale Aspekte kaum einbezogen. Das Hauptziel des Siegels ist umweltsichere, gesundheitlich unbedenkliche sowie kreislauffähige Produkte voranzubringen.
 
Blue Design Product (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Herausgeber dieses Siegels ist die Schweizer bluesign technologies AG, in welcher sich Textil- sowie Chemieexperten zusammengeschlossen haben, um die Umweltauswirkungen der Textilindustrie einzudämmen. Sowohl Naturfaser- als auch Synthesefaserprodukte können das Siegel erhalten, wenn sie zu mindestens 90% aus zertifizierten Fabriken stammen. Hierbei werden die Prozessschritte Rohstoffproduktion und Herstellung abgedeckt. Klarer Fokus liegt auf der Betrachtung der eingesetzten Chemikalien. Hier wird nicht nur eine sehr umfangreiche Verbotsliste bei dem Einsatz von Chemikalien zugrunde gelegt, sondern auch mithilfe des „bluefinders“ eine Liste mit besseren Alternativen bereitgestellt. Dies ist insbesondere für Unternehmen hilfreich, die ihre Produktion umstellen und nachhaltiger gestalten wollen.
 

Siegel mit sozialen Kriterien

SA8000 (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Dieser Standard wurde von der NGO Social Accountability International (SAI) entwickelt und bezieht sich auf die Prozessstufe Herstellung. Produzierende Betriebe mit ausreichend guten Arbeits- und Sozialbedingungen können eine Zertifizierung erlangen. Es handelt sich hierbei demnach nicht um eine Produkt- sondern um eine Fabrikzertifizierung. Dem Standard zugrunde liegen die internationalen Menschenrechtskonventionen, Empfehlungen der Internationalen Arbeitsorganisation IAO sowie ISO-Normen des Qualitätsmanagements (ISO 9001).
 
Fair Wear Foundation (Klicke hier, um mehr zu erfahren)
Die Fair Wear Foundation ist ein Zusammenschluss aus NGO’s, Gewerkschaften sowie Wirtschafts- und Handelsverbänden. Textilunternehmen können beitreten, müssen mindestens ein Jahr Mitglied sein und beim jährlichen Check in der höchsten Kategorie eingestuft werden, um mit dem Siegel ausgezeichnet zu werden. Hauptaugenmerk liegt darauf die sozialen Bedingungen an Nähstandorten zu verbessern und faire existenzsichernde Löhne während der Herstellung zu gewährleisten.
 

Bei der Recherche zu den Siegeln haben wir unteranderem die Seite www.siegelklarheit.de entdeckt. Hier werden Siegel aus den Produktgruppen Textil, Papier, Laptops&Co., Holz, Lebensmittel, Wasch- und Reinigungsmittel, Natursteine und Leder umfangreich vorgestellt und kritisch beleuchtet. Wenn ihr euch über weitere Siegel informieren wollt, lohnt sich ein kleiner Blick auf diese Website sehr.

Insgesamt sind alle hier aufgeführten Siegel unabhängig und glaubwürdig und setzen sich für mehr Nachhaltigkeit in der Textilproduktion ein. Auch unabhängig vom „Grünen Knopf“ sind Produkte mit diesen Siegeln eine gute Wahl. Greenpeace beispielsweise empfiehlt insbesondere die drei Siegel IVN, GOTS sowie Oeko-Tex made in green. Diese drei Siegel sind auch uns besonders positiv bei unserer Recherche aufgefallen.

Insgesamt kann man deutlich feststellen, dass jedes Siegel seinen eigenen Fokus legt und bisher nicht wirklich alle wichtigen Kriterien mit ihren Stufen in der textilen Wertschöpfungskette abgedeckt werden können. Aus welchem Grund?

Das allgemeine Problem bei Nachhaltigkeit in der Textilbranche ist:
Grundlegende Zielkonflikte.

Beispielweise bei der Rohstoffauswahl für die textilen Produkte: Entscheidet man sich für ein Produkt aus synthetischen Chemiefasern, dann hat man (im Vergleich zu Naturfasern) oftmals einen deutlich höheren Energieverbrauch bei der Faserherstellung. Außerdem sind diese problematisch im Bezug auf Mikroplastik; beim Waschen synthetischer Textilien werden in jedem Waschgang Fasern aus dem Textil herausgewaschen, die sich mit der Zeit zu kleinen Plastikpartikeln – bis hin zu Mikroplastik – zerteilen. Ein kompletter biologischer Abbau ist nicht möglich und Folgen von Mikroplastik für die Gesundheit und Umwelt sind noch nicht sicher einschätzbar. Greift man stattdessen zu einer natürlichen Faser – wie Baumwolle – dann hat auch dies nicht-nachhaltige Auswirkungen: Enormer Wasserverbrauch im Anbau (oftmals in Ländern in denen klimazonenbedingt Wasser knapp ist), ein großer Einsatz von Pestiziden und Herbiziden und riesige Anbauflächenbedarfe.

Außerdem ist es insgesamt kaum möglich zu entscheiden, ob letztlich soziale oder ökologische Kriterien insgesamt wichtiger sind. Eine Universalantwort auf diese Frage gibt es leider nicht.

Wir sind der Auffassung: Jeder sollte diese Antwort für sich persönlich treffen.
Die Entscheidung basiert auf unserer individuellen Einschätzung, welche Aspekte wir bei der Wahl eines Kleidungsstücks für besonders wichtig empfinden. Die vorgestellten Siegel sind als Hilfestellung und Werkzeug bei diesem Prozess zu verstehen. Bewusstes Informieren und Hinterfragen ist immer der erste Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Einkaufsverhalten. Und diesen ersten Schritt habt Ihr bereits getan, indem Ihr diesen Artikel lest 😉

Unsere kritische Einschätzung zum „Grüner Knopf“

Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch nicht behaupten, dass hinter einem „Grünen Knopf“ Siegel auch immer ein rundum nachhaltiges Produkt steckt. Das ist vorallem auf die angesprochene Einführungsphase (bis 2021) zurückzuführen, welche nur die Konfektion und den Nassprozess innerhalb der Stufe Herstellung einbezieht. (Um fair zu bleiben: Das sind zwei Prozesse, bei denen es enorme soziale und ökologische Probleme gibt und somit ein vernünftiger Ansatzpunkt, wenn noch nicht alles abgedeckt werden kann). Findet der Ausbau so wie geplant statt, sodass irgendwann die komplette Wertschöpfungskette abgedeckt ist, dann hat der „Grüne Knopf“ aber auf jeden Fall Potential! Der Siegeldschungel ist wirklich unübersichtlich und auch wir (mit unserem textilen Background) haben viele Stunden recherchiert, bis wir einen wesentlichen Überblick zur Thematik hatten. Viele Konsumenten wollen und können sich diese Zeit nicht nehmen und wünschen sich eine einfache und verlässliche Kennzeichnung. Dies könnte der „Grüne Knopf“ werden.

Optimierungspotential gibt es noch bei einigen Kriterien. Vielfach kritisiert wird beispielsweise, dass der Mindestlohn des Produktionslandes zugrunde gelegt wird und dieser oftmals nicht ausreicht, um ein Leben in Würde führen zu können. Andere Siegel wirken dem bereits entgegen und haben als Kriterium „existenzsichernde Löhne“ eingeführt. Zudem wird sich zeigen, wie gut die Prüfung der ganzen Kriterien funktioniert. Dafür werden unabhängige Institute wie TÜV und Dekra eingesetzt. Glaubwürdig kann das Siegel nur sein, wenn die Prüfung streng und regelmäßig erfolgt und Verstöße auch die entsprechenden Konsequenzen haben. Des Weiteren wird sich noch herausstellen wie gut das Siegel von Textilunternehmen angenommen wird. Diese Frage stellen sich zur Zeit auch viele Produzenten: Warum sollte man sich die Mühe machen und aufwendig für das nationale Siegel „Grüner Knopf“ bewerben, wenn man sich schon nach einem bereits international bekannten und anerkannten Standard, wie GOTS, IVN oder Oeko-Tex made in green, ausgezeichnet hat? Dies kann nur funktionieren, wenn die Verbraucher den „Grünen Knopf“ annehmen und der Mehraufwand für die Unternehmen auch gerechtfertigt ist.

Außerdem setzt das Siegel auf das CSR-Prinzip. CSR steht für Corporate Social Responsibility (also unternehmerische Gesellschafts- bzw. Sozialverantwortung) und beinhaltet die freiwilligen Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens. Erfahrungsgemäß bewirken freiwillige Programme häufig keine Verhaltensänderung der breiten Masse. Unabhängig von diesem Siegel fehlt es an bindenden (bestenfalls EU-weiten oder weltweiten) Regulierungen, welche für alle Unternehmen gelten und grundlegende Mindeststandards abdecken.

Unser Fazit:
Dem „Grünen Knopf“ steht noch ein langer arbeitsreicher Weg bevor. Was er aber jetzt schon geschafft hat, ist das Thema verantwortungsvolle Textilien ins Gespräch zu bringen. In den Medien wurde das Siegel definitiv umfassend behandelt – zum Teil wurde es über-kritisch zerpflückt und von Anderen in den Himmel gelobt. Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte… Aber es wird diskutiert, sich informiert und das ist total wichtig, um langfristig etwas verändern zu können.

Was wünschen wir uns persönlich für die Textilbranche?

Wir wollen, dass soziale und ökologische Betrachtungen als Basisanforderung in der Textilbranche immer einbezogen werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass:
– die Menschen, die unsere Kleidung herstellen, von ihrem Lohn leben können
– Kinder- und Zwangsarbeit verboten sind
– dass zumutbare Arbeitszeiten für alle gewährleistet werden
– grundlegender Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit am Arbeitsplatz vorliegt
– umweltschädliche, gesundheitsschädliche und anderweitig gefährliche Chemikalien nicht eingesetzt werden
– Abwasser gereinigt werden und nicht unbehandelt in Flüsse eingeleitet werden
– von fertigen Kleidungsstücken keine Gesundheitsgefahr durch Chemikalienrückstände ausgeht
– und vieles weitere…

All diese Aspekte sind in der Textilindustrie noch viel zu oft ein geduldeter Alltag
. Es geht nicht darum das eine ‚perfekte‘ und nachhaltige Kleidungsstück zu finden (wenn es dieses überhaupt geben kann), sondern vielmehr darum solche grundlegenden Selbstverständlichkeiten als den allgemeinen Standard zu setzen. Dafür braucht es verantwortungsvolle & bewusste Kaufentscheidungen von jedem von uns mit Wertschätzung für Menschen und Materialien, welche uns tagtäglich den Kauf von Textilien überhaupt ermöglichen!

Quellen für die Vorstellung der Textilsiegel: https://www.siegelklarheit.de/home#textilien, https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/e01211-greenpeace-chemie-einkaufsratgeber-textil-siegel-2018.pdf, https://www.tuv.com/germany/de/zertifizierung-nach-sa-8000.html sowie die Websites der Siegel selbst.

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